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Schafferhof Highlights

06.06.2013

Helmut Schleich

Helmut Schleich
Helmut Schleich

Vielstimmiger Wutbürger
Helmut Schleich lässt in seinem Programm "Nicht mit mir!" niemanden ungeschoren

Neuhaus. (gag) Was ist das, wenn sich Franz-Josef Strauß, Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Alt-Kanzler Schmidt und noch ein halbes Dutzend anderer Leute auf der Bühne treffen? Ganz klar: Solo-Kabarett von Helmut Schleich. Im pinkfarbenen Sakko unterhält er sich mit seinen Protagonisten, von denen er regelrecht besessen ist, und die sich mit Hilfe seines Mundwerks über alles Mögliche aufregen.

Sogar der emeritierte Papst Benedikt oder Stammtischkollege Ottfried Fischer tauchen unvermittelt auf. "Nicht mit mir", wie dieses Programm, habe auch eine Demo gegen dies und jenes in München geheißen, von der er heute gekommen sei, erklärte Schleich auf der Schafferhof-Bühne. 
Herrlich versteht er es, sich in seinen Ärger so hineinzusteigern, bis er einen roten Kopf bekommt. Den Wutbürger schickt er emotional auf die Palme bei so vielen Politikernieten und Fehlentscheidungen. Zu vieles gebe es, worüber man sich aufregen könne. Etwa über Neonazis und den Innenminister Herrmann, der jahrelang nicht gemerkt habe, dass er am Volkstrauertag seinen Kranz im Hofgarten direkt neben den des Ritterkreuzordens niedergelegt habe. 
Schleich wird von Strauß oft so unvermittelt überfallen, dass er schon darüber nachdenke, ihn vom Papst austreiben zu lassen. Als Vorsitzender der "Stammtischhistoriker" spielt Schleich einen bierdimpfelig zünftigen Vereinsvorstand. Als Unterhaltungsgast in der Vereinssitzung solle der "Tegernseer Laubbläser" auftreten. Und himmlisch komisch mimt er einen Mann, der den schreiend lauten Laubbläser auf der Bühne anlässt - alles mit nur einer Stimme. Ein anderer, der sich in Schleichs Schädel tummelt, ist Heinrich von Horchen, "der Gesangslehrer von Willy Fritsch, Marika Rökk und Johannes Heesters". Sakko aus, Zylinder, weißer Schal und Stock an, fertig ist die Verwandlung. Als Kenner der deutschen Aristokratie hat dieser Snob auch seine Meinung zum Fall Guttenberg, "den Kopierer, nicht den Drucker": "Früher hat der Adel Universitäten gegründet und nicht beschissen." 
Genial, wie Schleich von einem Moment zum anderen die Charaktere und Themen wechselt, wie er hochkonzentriert verschiedene Dialekte, Stimmen oder Wesensarten karikiert. 

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