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Schafferhof Highlights

24.01.2013

Axel Hacke

Axel Hacke
Axel Hacke

Gewinde mit seltsamen Beilagen 

Übersetzungen von Speisekarten aus aller Welt: Axel Hacke und "Oberst von Huhn" im Schafferhof 

 (gag) Axel Hacke hat sich auf Recherche begeben und die schönsten Gerichte auf den Speisekarten aus aller Welt zusammengestellt. So werden zum Beispiel aus Onion Rings (Zwiebelringen) in der Übersetzung "Zwiebel ruft an" oder aus einem Filetto al pepe verde (Filet mit grünem Pfeffer) "Ich schneide ein Gewinde zum grünen Pfeffer".

Lustige deutsche oder zumindest deutsch klingende Übersetzungen von Speisekarten haben ihn zum Buch "Oberst von Huhn bittet zu Tisch" beflügelt, aus dem er am Donnerstagabend im Schafferhof las. Und dass "Oberst von Huhn" auch nur eine Übersetzung einer Speise ist, nämlich von "Supreme of Chicken" auf einer Karte in Dublin, verursachte die ersten Lachtränen im Publikum.

Hacke, bekannt aus seiner Kolumne im Magazin der "Süddeutschen Zeitung" und regelmäßigen Auftritten in "Bayern 3", saß im bequemen Polsterstuhl auf der Bühne, las und zitierte mit sonorer Stimme aus einigen seiner Bücher. Seit vielen Jahren bekomme er von überall in der Welt Speisekarten zugeschickt, auf denen die Gerichte in einer seltsamen, dem Deutschen irgendwie ähnlichen Sprache verzeichnet seien, nur teilweise phantasievoller, witziger, überraschender als das Deutsche. 

"Man kennt das, man ist im Ausland, sitzt im Restaurant, liest in der Speisekarte", erzählte er. "Links stehen die Gerichte in der Landessprache, rechts die deutsch klingende Übersetzung, nur viel schöner, manchmal in der Mitte noch in Englisch." Die Zuhörer lachten nicht nur, wenn er von der Übersetzung von "Onion Rings" auf einer griechischen Speisekarte las, wo das mit "Zwiebel ruft an" übersetzt war, was wohl dem Übersetzungsprogramm geschuldet war. Aus einem Truthahn wurde ein "Drahthuhn", aus der "Cuisine" die "Cousine". Auch Gerichte wie "gefühlte Paprikaschotten" und die "Guten-Morgen-Latte" in einem Coffeeshop sorgte für Heiterkeit. "Gefaulte Webmaster" waren "gefüllte Weinblätter", dazu gab es "Angsthase im Backofen". 

Die Übersetzungssoftware neige beim Übersetzen eben zum Vulgären, meinte Hacke. Und da manche Wörter im Deutschen bereits Fremdwörter wären, übersetze sie auch diese nochmals, was zu den abstrusesten Ergebnissen führe. 

Seine Kolumne mit Paola, Luis und Bosch, den Kühlschrank, kannten viele Zuhörer. Hackes Bücher "Das Beste aus meinem Leben" und "Wortstoffhof" beweisen, welch Wortklauber und Sprachakrobat er ist. In letzterem geht es um falsch verstandene Liedtexte wie den "Schnitzelwagen" in Roland Kaisers "Santa Maria. Eigentlich hieß dieser halbe Satz "den Schritt zu wagen". Auch "der weiße Neger Wumbaba" ist so eine Stelle. Dabei handelt es sich um die Passage "und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar" aus "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius. 

Kalauer um Kalauer erzählend, hatte der Autor mit dem seriösen Auftreten die Lacher auf seiner Seite. Mit der Geschichte über Luis, der im Alter von zwei Jahren mitten in der Nacht lauthals "Bügeln!" forderte oder seine Zwiegespräche mit Bosch, seinem alten Kühlschrank, ließ er tief blicken. Nach der Zugabe über eine adjektivreiche, fantasievolle Verkostung in einem Weinladen gab es begeisterten Applaus. 


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