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Schafferhof Highlights

16.11.2012

Sigi Zimmerschied

Sigi Zimmerschied
Sigi Zimmerschied

"Reißwolf - eine Vernichtung in Akten" 

Sigi Zimmerschied auf dem Schafferhof als Adalbert Stauber, Fahrer einer Aktenvernichtungsfirma 

Die Geschichte beginnt eigentlich mit dem Ende: Adalbert Stauber wird angeschossen, weil ihn und seinen Wolfi keiner mag. Kein Wunder, hat er doch als Fahrer für die Akten-Entsorgungsfirma "Reißwolf" Kenntnisse, die ihm, geschickt eingesetzt, hie und da kleine Vorteile verschaffen.

Die Passauer Kabarettistenlegende Sigi Zimmerschied zog das Publikum auf der Tenne des Schafferhofs mit seinem gleichnamigen intelligenten, bösartigen und gleichzeitig komödiantischen Programm, das nahe am Ein-Mann-Theaterstück liegt, in seinen Bann. Der Raum ist völlig dunkel, als er mit seinem "Kameraden" Wolfi unter dem Arm die Treppe aus seiner Garderobe in den Keller, der heute die Bühne ist, betritt. Wolfi ist in eine Decke verhüllt und seines Zeichens ein Papier-Schredder, Modell CC 614 L, der in der Minute bis zu 3,5 Meter Papier fressen kann. 

Ihn hätschelt Zimmerschied im Licht einer Stablampe wie einen Schoßhund, gibt er ihm doch immer wieder Tatsachen preis, die sich zwischen seinen scharfen Zähnen verhängen und die er dann zu seinem Vorteil verwenden kann. Ein Sparbuch mit Schwarzgeld, der geheime Vaterschaftstest der Frau Ammermüller oder Fotos vom Prälaten Meierhofer vom letzten Ministrantenausflug. 

Erpressung? Welch böses Wort! Er erzieht und erhält dafür kleine Gefälligkeiten - ja, nach dem Motto: "Eine Hand wäscht die andere." Kleine Pakete aus der Metzgerei vom Franz, die vom Aufschnitt weg in Richtung Filet tendieren, einen günstigen Kredit fürs Coupé vom Bubi, oder dass die Frau Ammermüller einfach ein bisserl nett zu ihm ist, wenn möglich mehrmals. Dabei lässt Zimmerschied offen, ob seine Figur als Zyniker zum eigenen Vorteil handelt oder womöglich wirklich glaubt, dass er nur der Wahrheit zu ihrem Vorteil verhelfen will.

Nahtlos gestaltet der Kabarett-Altmeister in seinem 14. Programm mit meist weit aufgerissenen Augen mit Eulen-Brauen, glänzender Mimik und voluminöser Stimme die Szenenübergänge. Er ist dazu ein hervorragender Schauspieler, auf dessen Qualitäten immer häufiger auch die Filmemacher aufmerksam werden. 

Mühelos wechselt er die Figuren. Hier der Adalbert mit seinem skurrilen, bösartigen Humor, dort der grantelnde Taxler, der "up, up and away" als Söldner nach Afghanistan will, wegen der hohen Gefahrenzulage und weil ihn Ausländer einfach aufregen. Adalbert riecht die Angst, wenn es "oaschlochelt" wie beim Politikertreffen im Hintern vom Ackermann, und hat den Nacktscanner-Blick. Ihm entgeht nichts. Auch nicht das Publikum im Dunkeln der Tenne, das er hin und wieder anleuchtet, erschreckt, mit einbezieht in die Handlung auf der Bühne. Ist er jetzt im Himmel ("das Auffahren hat in Bayern schließlich Tradition"), als er weißbärtige Apostel ausmacht, oder in der Hölle beim "Hendlficker-Franz"? Ist er im Bibelkreis, oder sieht er sich nur einer wabernden Masse gegenüber? Nein, es ist ja Gott sei Dank nur sein Publikum, das gebannt dem Geschehen auf der Bühne folgt. 

Im zweiten Teil gibt es mehr Licht. Da schreddert er kräftig, zum Beispiel die letzte Seite der Doktorarbeit von Anette Schavan: ein leeres weißes Blatt. In dem Behälter mit den Papierschnitzeln sitzen zwei Ratten, Assad und Sarazin. Er sieht auch nicht die Tierwelt, sondern die vom Aussterben bedrohten Menschen. Ratten schicken einen vor, der ausgelegtes Gift frisst. Die anderen lernen daraus. Bei den Menschen wird Emissionshandel betrieben. Da legt eine Kommission fest, wie viel Gift die Menschen vertragen. 

Mit der Klugheit des erfahrenen Profis bedient Zimmerschied verschiedenste Humorfächer. Er grantelt über Politiker, Nazis ("zum Führer fehlt mir der Schulabschluss"), ein wenig über die Kirche und unsere Facebook-Gesellschaft ("was nutzt dem Depp das Gigabyte, wenn's oben in der Birne feid?"). Der Passauer mit dem nach eigenem Bekunden "zu kurzen Fiaß, und zu großem Zinken" begeistert mit seinen blitzgescheiten Texten und seinem großen komödiantischen Talent. 

Dem Publikum wurde ein Kabarett geboten, dem es überaus aufmerksam und gespannt folgte und das am Ende mit großen Applaus belohnt wurde. 

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