Start: Schafferhof / Highlights
26.03.2019

Aktuelle Events

Kalender

Archiv

Schafferhof Highlights

28.10.2010

Udo Wachtveitl - Mörderisches Bayern

udo wachtveitl
udo wachtveitl

Von wegen gute alte Zeit 

Udo Wachtveitl entführt am Schafferhof zu den Gaunern und Totschlägern der 20er Jahre in Bayern 

Zum rustikalen Ambiente der Tenne und der Bühne am Schafferhof passte das Kriminalhörspiel "Mörderisches Bayern" aus dem München der 20er Jahre hervorragend. Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl bezeichnete die Aufführung als "Film für die Ohren". Das Interesse der Zuschauer war enorm. Krüge mit Getränken fanden unter dem Stuhl Platz und Teller mit Essen auf den Knien. Zwei Tage vor Halloween wollten die Gäste offenbar etwas Gruseliges erleben. Aber so richtig ernst waren die Szenen nicht, sie strotzten dagegen vor hintergründig-bayerischem Humor. Vielseitiger Schauspieler Was gleich auffiel: Wachtveitl besitzt viel mehr schauspielerisches Talent als er es im Tatort ausspielen kann. Faszinierend war, wie er Stimme und Mimik veränderte, wenn er die schrullige alte Blinde gab, einen autoritären Dorfpolizisten oder einen Baron mit Berliner Schnauze auftreten ließ. Die Texte begleiteten Posaunist Sebi Tramontana, Schlagzeuger Erwin Rehling und Akkordeonist Andreas Knoll. Etwas schräge Töne endeten dann plötzlich in einem bayerischen Marsch. Die Zuhörer hörten Soldaten marschieren oder ein Gewitter mit Sturm aufziehen. 

Hans Kriss verband als Erzähler die verschiedenen Episoden des Krimiautors Robert Hültner. Nicht alles wurde gesagt, einiges blieb noch der Phantasie des Publikums überlassen. Es gab keinen durchgehenden Kriminalroman, sondern verschiedene Szenen und Mordfälle, welche die 20er Jahre in Bayern in Stadt und Land lebendig werden ließen. Der erste Teil des Krimiabends spielte im Frühjahr 1919 in den armseligen Herbergshütten der unteren Au in München. Ein Haus ist in Flammen aufgegangen, ein Bewohner ist umgekommen, und ein Journalist namens Meininger bleibt verschwunden. Inspektor Paul Kajetan nimmt die Ermittlungen auf. Drastisch wird das Auffinden der Leiche Meiningers beschrieben: "Seine Augen waren weit geöffnet. Seine Züge waren nichts als geronnene Verzweiflung. Seine Rechte hatte sich tief in das Erdreich gekrallt, und ein winziger Käfer kroch über sein wächsernes Gesicht." Kuhglockengeläut führte die Zuhörer von München ins Dorf Hallberg, wo der Verwalter Gassner im Auftrag des Barons den Bauern Riemer zum Verkauf seines Hofes überreden will. Als dieser absolut nicht zieht, greift Gassner zu drastischen Mitteln. "Hörst, die Totenuhr tickt in der Wand." Wachtveitl und Kriss streiften auch den Fall der erschlagenen 16-jährigen Sannerl. Der Pflegevater wird verhaftet. Die Gäste erlebten den Abstieg des Kriminalinspektors Katejan, der aus dem Polizeidienst entlassen wurde und nach einer Schlägerei selbst im Gefängnis landet und verprügelt wird. Nun erlebt er die Justiz einmal von der anderen Seite. 

Mit Mia erlebt Kajetan eine kurze Liebe. Danach beschäftigt ihn der Selbstmord seiner Geliebten. Kajetan steigt als Detektiv sozial wieder etwas auf. Er versucht von Dr. Urban, der die Leiche Mias untersuchte, Genaueres zu erfahren. Die Todesursache sei zu viel Kokain gewesen, das verunreinigt war. Die ungenießbare Küche eines Gastwirtes prangerte der Pathologe an mit den Worten: "Der Leberkäs, den ich dort serviert bekam, sah aus wie das Brandopfer das ich auf dem Tisch hatte." Zwei Stunden Spannung Während des fast zweistündigen Kriminalhörspiels herrschte gespannte Stille, unterbrochen höchstens von einigen Lachern bei deftigen Szenen. Doch zum Schluss brandete tosender Applaus für Schauspieler und Band durch die Tenne. 

Kommentare

Sie müssen zum Kommentieren angemeldet sein. Bitte anmelden oder registrieren.

Zurück