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Schafferhof Highlights

13.04.2007

Monaco Bagage

Monaco Bagage
Monaco Bagage

Schmelztiegel Schafferhof 
Musikkabarett-Band "Monaco Bagage" brennt vor vollen Rängen Feuerwerk ab - Krasser Stilmix 
Jeder spielt für sich alleine, Rhythmus und Musikstil sind chaotisch, das Instrumenten-Sammelsurium fast eklektisch unüberschaubar und die eingestreuten Kalauer oftmals schmerzlich bekannt. Und das Ungewöhnliche - der tönende Schmelztiegel "Monaco Bagage" klingt wohl gerade deswegen einfach nur genial.

Wer schlechte Nerven oder guten Geschmack habe, dürfe gleich gehen, sagen die fünf Giesinger. Mit solchen Aufforderungen - der natürlich keiner der 150 Musikfans im vollbesetzten Schafferhof nachkam - legen die Vollblutmusiker die Messlatte des angepassten Humors gleich sehr niedrig. Und tanzten munter im Limbo darunter durch. Respektlos, schräg und mit energiegeladener, mitreißender Musik ließen Andy Arnold (besonders spielfreudig mit wunderbar dudelnder Klarinette), Johann Bengen, Josef Brustmann, Miene Costa und Martin Deubel dabei kein Auge trocken.Ein Spiel auf ihrer Homepage, wo Fans Tonstrecken der einzelnen Akteure zu der - einzigen - passenden Melodie zusammenbasteln können, setzt sich nahtlos auf der Schafferhofbühne fort. Denn im unverwechselbaren Sound mit über 20 Instrumenten von Strohgeige und kompletter Blasorchesterausstattung über E-Gitarre und Zither bis hin zum Mini-Schlagzeug scheint jeder das zu spielen, was er gerade will.Ob Klezmer, Tango, Jazz, Zigeuner-Swing, afrikanische Rhythmen, "20er Jahre"-Klänge á la Max Rabe, Opernarien und "Moik-ferne" Volksmusik - alles fließt gefällig munter und harmonisch durcheinander. Was im Freistaat alles nicht stimmt, arbeitete Josef Brustmann (auch Tuba, Gitarre, Trompete, Banjo, Kontrabass) in Abc traditionell mit zitherbegleiteten Gstanzln gleich einmal alphabetisch ab. Krasse Reime über Sargträgerprobleme mit Franz Josef Strauß ("für Viere zu schwer, für Sechse zu kurz"), "schlecht geschnitzte und schlecht genagelte Akte" an den Wänden oder Guido Westerwelle, der zur "Gaylights coming" von Stoiber in Strapsen träumt, fallen komischerweise nicht aus dem musikalischen Rahmen.Ultrawitzig und nicht weniger virtuos auch "Ich war schon immer heimlich ein Sadist" von Deubel (Violine, Altsaxophon, Blockflöte) knochentrocken mit der Ukulele vorgetragen, oder die Darbietung einer heruntergekommenen "Chansonette" durch Miene Costa.Angetrieben vom dynamischen Gemisch aus ostpreußischen und portugiesischen Blut, setzte die steppende Kontrabassistin ihre Stimme als Waffe ein, wenn sie mit einem Walkürenschrei oder mit einer authentischen Imitation einer alten, quietschenden Autohupe das unruhige Publikum zum Schweigen bringt. "Monaco Bagage" nennen sich selbst den "Missing Link zwischen Kabarett und Musik". Doch eine wie auch immer geartete, "fehlende Verbindung" konnten die Musikfreunde in der Tenne beileibe nicht feststellen.

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