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22.12.2010

“Scrooge“ - Uraufführung am Schafferhof

Scrooge
Scrooge

Neuhaus. (prh) Ein schrecklicher Geizhals auf dem Weg zur Menschlichkeit
“Scrooge“: Musicalfassung von Charles Dickens` “Weihnachtsgeschichte“ feiert Uraufführung am Schafferhof - Steffi Denk in der Titelrolle

Schauspieler wie Michael Caine, Albert Finney, George C. Scott, Patrick Stewart, Bill Murray und Jim Carrey haben ihn schon verkörpert, den habgierigen und geizigen Geschäftsmann Ebenezer Scrooge. Walt Disneys raffgieriger Onkel Dagobert heißt im Original sogar “Uncle Scrooge“ - ein deutlicher Hinweis.

Wie aber Steffi Denk den raffgierigen, herzlosen Obergrantler am Donnerstagabend auf der Bühne der Schafferhof-Tenne darstellte, das war sensationell.

Nicht nur die Sängerin, die ein beeindruckendes Debüt als Schauspielerin gab, sondern auch alle ihre Mitstreiter und das “Christmas Ghost Orchestra“ überzeugten in der Adaption einer der berühmtesten Weihnachtsgeschichten der Welt: Scrooge erscheinen in der Nacht vor Heiligabend drei Geister, um ihm seine Vergangenheit, die Gegenwart und seine zukünftigen Weihnachtsfeste eindringlich vor Augen zu führen.

Aufgepeppt und aktuell


Aber so, wie der Dickens-Klassiker hier präsentiert wurde, hat man ihn wohl noch nie vorher gesehen: mit viel Witz, Ironie, einem Schuss Lokalkolorit und Aktualität. In dieser erfrischenden und einfallsreichen Inszenierung gab es zudem tolle Musik aus der Feder von Bernd Meyer (Keyboards), Uli Zrenner-Wolkenstein (Kontrabass) und Gerwin Eisenhauer (Drums und Spezialeffekte), der auch Regie führte.

Im Original kritisiert der englische Schriftsteller soziale Missstände im England des 19. Jahrhunderts. In der Neufassung war die Rede von “gierigen, rücksichtslosen Topmanagern“ und “Schnee schippenden Hartz-IV-Empfängern“. Frierend heizt Buchhalter Bob Cratchit (Moritz Katzmair) das Kontor des Geizhalses Scrooge ein, arbeitet für einen Hungerlohn zwölf Stunden täglich, hat zwei Tage Urlaub alle vier Jahre. Steffi Denk beeindruckt als Scrooge mit rotem Morgenmantel, grauer Perücke, finsteren Blick und einer unglaublichen Mimik. Scrooge singt davon, dass ihm schlecht wird, wenn er an das Fest denkt - alles “Humbug“ und “Bullshit“.

Als er alleine ist und zum Vergnügen ein paar Mahnungen schreiben will, bekommt er Besuch von seinem verstorbenen Kompagnon Jacob Marley (Georg Schießl), der ihm den Besuch von drei Geistern ankündigt. Nur mit 3-D-Brille sichtbar, führt ihn eine imaginäre Angelina Jolie als “Geist der vergangenen Weihnachten“ bis in seine Kindheit zurück. Der Geist der Gegenwart (ebenfalls Schießl) zeigt ihm mittels Beamer eine Live-Übertragung vom ärmlichen Weihnachtsfest in der kalten Stube der Scratchits. Ein unheimlicher, ganz in Schwarz gehüllter dritter Geist der Zukunft lässt ihn völlig sprachlos auf das Begräbnis des kleinen Tim und seine eigene Bestattung (mit XXL-Sarg) blicken. Spätestens da geht Scrooge das Herz auf, und er wandelt sich vom Raffzahn zum Wohltäter.

Der Applaus am Ende der Uraufführung wollte nicht enden. Er war die Belohnung für die Leistung der facettenreichen Sängerin Steffi Denk, die ein herausragendes Debüt als Schauspielerin gab. Er honorierte damit die erfrischende Inszenierung von Regisseur Gerwin Eisenhauer, die sowohl Lacher hervorrief, aber auch an manchen Stellen betroffen machte und nachdenklich stimmte. 

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